Saudi-Arabiens Frauenfußball: Zwischen Aufbruch und Imagepolitik

Clock Icon Nov 2, 2026

Eine neue Folge von „The Gulf Game“: Der Journalist und Saudi-Arabien-Experte Dr. Sebastian Sons spricht mit Monika Staab über Frauenfußball und gesellschaftlichen Wandel in Saudi-Arabien. Staab gehört zu den prägenden Persönlichkeiten des deutschen Frauenfußballs. Sie gründete 1985 den 1. FFC Frankfurt und arbeitete später als Trainerin in vielen Ländern. 2021 übernahm sie den Auftrag, Saudi-Arabiens erste Frauen-Nationalmannschaft aufzubauen.

Ich bin Fußball-Junkie, Fan von Al-Ittihad Jeddah und dem FC Barcelona. Deshalb interessiert mich an diesem Gespräch mehr als die Frage, wie schnell eine neue Liga wächst: Was braucht es, damit aus einem ambitionierten Projekt ein dauerhaftes Angebot für Spielerinnen wird? Und wie erlebt jemand, der den Sport von innen kennt, die Veränderungen vor Ort?

Als Staab den Auftrag annahm, wurde ihre Entscheidung kritisiert. Dahinter stand auch eine größere Frage: Schafft die Förderung des Frauenfußballs echte Möglichkeiten für Frauen – oder verbessert sie vor allem das internationale Image Saudi-Arabiens? Beides kann gleichzeitig diskutiert werden. Mich interessiert, wie Staab selbst auf diese Spannung und auf die Widerstände zurückblickt.

Ihre Arbeit beschränkte sich nicht darauf, eine Nationalmannschaft zusammenzustellen. Es ging auch darum, Strukturen aufzubauen, damit Mädchen und Frauen Fußball spielen und sich im Sport weiterentwickeln können – als Spielerinnen, Trainerinnen oder Funktionärinnen.

Die Entwicklung ist inzwischen auch an Zahlen abzulesen. Der saudische Fußballverband gibt an, dass 77.000 Mädchen an der jährlichen Schulliga teilnehmen. Das ist eine Zahl für den Schulsport, nicht für registrierte oder professionelle Spielerinnen. Der Verband nennt außerdem 1.800 registrierte Spielerinnen und sechs regionale Trainingszentren für Mädchen. In der Saison 2024/25 waren diese Zentren in fünf Regionen angesiedelt: Riad, Dschidda, Dammam, Medina und Mekka.

Der Verband berichtet außerdem von mehr als 1.000 weiblichen Coaches, die in Clubs, Akademien, Trainingszentren und Schulligen zur Entwicklung des Frauenfußballs beitragen. Woher genau all diese Trainerinnen kommen und welche Ausbildung sie jeweils absolviert haben, lässt sich aus den veröffentlichten Angaben nicht klar entnehmen. Auch hier lohnt es sich, die Zahl einzuordnen, statt sie als Beleg für einen einheitlichen Ausbildungsweg zu lesen. 

Die Women’s Premier League startet 2026/27 mit acht Clubs in ihre fünfte Saison. Das zeigt, dass in kurzer Zeit neue Strukturen entstanden sind. Es beantwortet aber nicht allein, wie zugänglich der Sport für Mädchen und Frauen ist oder wie nachhaltig die Entwicklung sein wird. Gerade deshalb finde ich Staabs persönliche Perspektive interessant: Sie kennt den deutschen Frauenfußball ebenso wie die Arbeit im saudischen Verband.

Mich reizt auch der Blick hinter die Schlagzeilen. Im internationalen Fußball wird häufig über große Investitionen, prominente Transfers und die politische Bedeutung des Sports gesprochen. Das Gespräch mit Staab verspricht eine andere Perspektive: Wie sieht die Entwicklung aus, wenn man mit den Menschen arbeitet, die den Fußball vor Ort aufbauen? Was motiviert die Spielerinnen? Wo liegen im Alltag die Hürden? Und welche Veränderungen lassen sich tatsächlich beobachten?

Besonders gespannt bin ich auf ihre Eindrücke von den saudischen Männern, die sie nach eigener Aussage stärker überrascht haben, als sie erwartet hatte. Solche persönlichen Beobachtungen können ein differenzierteres Bild vermitteln als pauschale Urteile – ohne die kritischen Fragen rund um Sport, Politik und Image auszublenden.

Für mich ist das die spannende Verbindung: Fußball, den ich liebe, und ein Gespräch, das über den Platz hinausführt. Ich möchte hören, was Staab erlebt hat, was sie erreicht sieht und wo sie selbst noch offene Fragen erkennt.

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